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Wuppertaler Stadtwerke starten Blockchain-Handelsplatz für Ökostrom

Nov

23

2017

Über den Blockchain-basierten Handelsplatz "Tal.Markt" können lokale Erzeuger ihren Ökostrom künftig direkt an den Strombörsen vorbei vermarkten. Damit lassen sich Photovoltaik-Kraftwerke auch ohne Förderung realisieren, sagt der Chef der Wuppertaler Stadtwerke.

Die Wuppertaler Stadtwerke (WSW) haben diese Woche nach eigenen Angaben als weltweit erster kommunaler Energieversorger einen Blockchain-basierten Handelsplatz für Ökostrom gestartet. Auf dem Handelsplatz „Tal.Markt“ können Kunden ihren Strom bei lokalen Ökostromanbietern erwerben und ihren Energiemix selbst zusammenstellen. Über die Blockchaintechnologie werde dabei sichergestellt, dass keine Kilowattstunde Solar- oder Windstrom doppelt verkauft werden kann. Die WSW betreiben die Handelsplattform und übernehmen die energiewirtschaftliche Abwicklung sowie die Abrechnung und stehen für die Ausfalllieferung gerade. Daher sind die WSW sowohl für die Anbieter, als auch für die Käufer Vertragspartner.

„Das Konzept hat die Kraft, den Stromvertrieb zu revolutionieren“, sagt WSW-Vorstandschef Andreas Feicht. Erstmals sei es möglich, dass Kunden eigenständig und mit Herkunftsnachweis ihre Stromerzeuger auswählen können. „Schon bis zum Jahr 2020 werden deutschlandweit über 5000 Windräder aus der EEG-Förderung laufen“, sagt Feicht. Die Vermarktungserlöse an der Strombörse reichen danach aus heutiger Sicht nicht aus, die Betriebs- und Wartungskosten zu decken. Die Windräder würden in der Folge stillgelegt und demontiert werden – für Feicht eine Vernichtung volkswirtschaftlichen Vermögens. „Über unser Modell eröffnen wir Windmüllern und Solaranlagenbetreibern die Möglichkeit, ihre Anlagen direkt beim Endkunden zu vermarkten und so kostendeckende Erlöse zu erzielen“, erläutert der Energiemanager. Folglich könnten Investoren künftig ihre Windkraftanlagen oder Solarparks über das Modell auch ganz ohne Förderung bauen, indem sie bilaterale Verträge mit Endkunden abschließen.

Partner für den neuen Ökostrom-Handelsplatz ist der Schweizer Energiehändler Axpo. Er entwickelte das nötige IT-Konzept und betreibt für die WSW die IT-technische Infrastruktur. Für Christoph Sutter, Leiter Division Neue Energien bei Axpo, eignet sich der deutsche Markt für das Projekt besonders gut, weil die Strommarktliberalisierung hier schon weit fortgeschritten sei. „Mit der aktuellen Plattform starten wir die Reise: Stromkonsumenten werden sich in Zukunft als Energiepartner auf Augenhöhe mit den Stromversorgern etablieren“, sagt Sutter. Erkenntnisse aus der Zusammenarbeit mit den WSW sollen in die Weiterentwicklung der Plattform einfließen, für Sutter hat sie das Zeug zum führenden Marktplatz für personalisierte erneuerbare Energie in Europa.

Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Zu den regionalen Stromanbietern auf „Tal.Markt“ gehören die Wuppertaler Firma Jenniges mit einer großen Solaranlage und der Verein Regen e. V., Betreiber des ersten Wuppertaler Windrads. Auch zwei große private Photovoltaik-Anlagen sind dabei. Damit die potenziellen Stromkäufer mehr Auswahl haben, bieten die WSW in der Pilotphase auch Strom aus eigenen regenerativen Anlagen an, nämlich aus zwei Blockheizkraftwerken sowie aus einer Wasserturbine an der Herbringhauser Talsperre.

Die Wuppertaler Stadtwerke begrenzt nach eigenen Angaben im ersten Schritt die Energieproduzenten ganz bewusst auf Wuppertal und das Bergische Land. „Bergischer Strom für Wuppertaler Kunden – Ökostrom direkt vom Erzeuger“, erläutert WSW-Vertriebsleiter Andreas Brinkmann in Analogie zum Hofladen eines Biobauern.

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