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Studie: Höhere CO2-Preise führen nicht zur Deindustrialisierung

Feb

06

2018

Durch höhere CO2-Preise sinken die Renditen von fossilen Energieträgern und somit auch die Treibhausgas-Emissionen. Eine Deindustrialisierung sei deswegen aber nicht zu fürchten, sagt eine neue Studie. Denn umgekehrt steigen Investitionen in anderen Wirtschaftszweigen – zum Beispiel bei den erneuerbaren Energien.

Eine neue Studie des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) zeigt: CO2-Preise schützen das Klima und sorgen langfristig für Wachstum und Wohlstand. Mit einem „mathematischen Beweis“ wollen die Ökonomen Jan Siegmeier, Linus Mattauch und Ottmar Edenhofer dabei die Darstellung widerlegt haben, dass entschlossene Umweltpolitik zur Deindustrialisierung führe, heißt es in einer Meldung des Instituts Anfang der Woche. Für den Beweis hätten die Wissenschaftler ein etabliertes Modell der ökonomischen Theorie des Wirtschaftswachstums auf die aktuelle Klimapolitik angewendet.

„Als Gesellschaft wären wir gut beraten, Klimaschutz und Wirtschaftswachstum nicht gegeneinander auszuspielen“, sagt Jan Siegmeier. „Tatsächlich reduzieren CO2-Preise zwar die Erträge, die sich mit fossilen Rohstoffen erwirtschaften lassen. Dadurch verlagern sich aber die Investitionen auf Maschinen und neue Technologien in anderen Branchen, die dadurch produktiver werden.“ Dies gelte nicht nur für erneuerbare Energien und verbesserte Ressourceneffizienz, sondern für alle Bereiche der Volkswirtschaft. „Unsere Studie untersucht zwar nicht im Detail, wohin genau das Kapital fließt“, sagt Linus Mattauch auf Nachfrage von pv magazine. Grundsätzlich würden Investitionen innerhalb des Energiesektors dann eher von den konventionellen Energien zu Innovationen bei den erneuerbaren Energien verlagert.

Aus zwei Gründen würde sich aus solch einem Emissionshandel ein positiver volkswirtschaftlicher Gesamteffekt ergeben. So würden sich einerseits fossile Ressourcen nicht reduziert, wenn Anleger diese meiden. Andererseits würden verlässliche CO2-Preise die Bindung von Kapital in sogenannten „Stranded Assets“ verhindern – also in Investitionen, die sich aufgrund der Klimapolitik langfristig nicht mehr rechnen. „Wichtig für den Investitionseffekt durch den Emissionshandel wäre, dass er nicht durch Kompensationszahlungen für die Eigentümer von Kohle und Kohlekraftwerke im großen Stil ergänzt wird. Ein wichtiger Effekt des CO2-Handels würde damit über Bord geworfen. Auf jeden Fall wäre ein stetig steigender Mindestpreis sinnvoll, der den Investoren Planungssicherheit verschafft“, sagt Jan Siegmeier.

„Wir sollten Emissionshandelssysteme so reformieren, dass die Einnahmen dazu benutzt werden, die Bürger zu entlasten, oder für staatliche Investitionen“, sagt MCC-Direktor Ottmar Edenhofer, der auch Chefökonom am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) ist. Die Studie „Capital beats coal: how collecting the climate rent increases aggregate investment” haben die Wissenschaftler im Fachmagazin „Journal of Environmental Economics and Management“ veröffentlicht.

Vor wenigen Tagen hat der Bundesverband Erneuerbare Energie ermittelt, dass Deutschland seine Klimaschutzziele für 2020 erst im Jahr 2038 erreichen würde, wenn die Politik das bisherige Tempo beibehält. Dabei schlägt der Verband in einem Elf-Punkte-Papier zum Erreichen der Klimaschutzziele unter anderem eine „aufkommensneutrale CO2-Bepreisung“ vor, um so auch die Sektorenkopplung in Deutschland voranzubringen.

 

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