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Paulownia – Blauglockenbaum, für Deutschland und Österreich ein neuer Wunderbaum?

Mai

03

2017

Paulownia Blauglockenbaum – Fakten und Mythen

Paulownia Blauglockenbaum in Deutschland und Österreich pflanzen – hat das Sinn? Was sind die beliebtesten Fakten und Mythen zum Paulownia Blauglockenbaum? Welche Fragen zu Anbau, Kulturführung, Ernte und Verwertung vom Paulownia Blauglockenbaum sollten vor der Pflanzung geklärt werden? Diese uns andere versuchen wir im folgenden Artikel zu klären.

Der Blauglockenbaum (botanisch Paulownia) ist derzeit in aller Munde. Auch bei uns laufen die Telefone heiß und quellen die Mails über zum Kiribaum, wie er auch genannt wird. Doch wachsen diese Blauglockenbäume, so wie oft vor allem im Internet gepriesen, tatsächlich in den Himmel oder müssen wir auch hier die vielfältigen natürlichen Bedingungen in den unterschiedlichen Regionen beachten und uns bei der Aufzucht dieser schnellwüchsigen Blauglockenbäume genau drauf einstellen? Doch alles der Reihe nach…

Blauglockenbaum/Paulownia: Geschichte und Verwendung

Der ursprünglich aus Ost- bzw. Südostasien stammende, schnellwüchsige Blauglockenbaum fand in den letzten Jahren über Südeuropa auch den Weg nach Deutschland und Österreich. Mit der Verwendung als Parkbaum, für größere Gärten und auch öffentliches Grün (z.B. Linz, Österreich, an der Promenade) wurde Paulownia  in kleinen Stückzahlen auch schon vor Jahrzehnten gepflanzt. Beliebt wegen der wunderschönen, blauen Blütentrauben, die dem Blauglockenbaum den Namen gaben und dem nicht überbordenden Wuchs (ca. 12-15 Meter).

Verbreitete Arten im Park- und Großgärtenbereich sind hier:

•    Paulownia tomentosa
•    Paulownia elongata
•    Palownia fortunei
•    und Zierforme bzw. Züchtungen dieser Arten

Paulownia in Deutschland und Österreich als Plantagenbaum – ist das überhaupt möglich?

Zu einer Renaissance des Blauglockenbaums in Deutschland und Österreich kam es nun in den letzten fünf bis zehn Jahren, aber weniger wegen seines hohen Zierwertes, sondern vor allem wegen seines gefragten Holzes. Plantagenholz hat ja an sich nicht den besten Ruf und ist in Mitteleuropa aus verschiedenen Gründen auch kaum verbreitet. Von Südeuropa aus „wanderten“  Paulownia-Pflanzungen aber in den letzten Jahrzehnen auch zu uns ein und scheinen hier auch an Ihre natürliche Grenzen zu stoßen. Klassische Plantagen, wenn auch meistens nicht so bezeichnet, wurden hierzulande eher mit Pappeln, Weiden und Robinien in sogenannten Energiewäldern bzw. im Kurzumtrieb (KUP) ausgepflanzt. Eine um vieles großere Monokultur stellt aber etwa die Fichte dar, die nach wie vor in rauen Mengen gepflanzt wird, ungeachtet von Höhenlage und Klimaerwärmung. Aber das nur nebenbei.

Paulownia in Europa

Die erwähnte „Wanderbewegung“ führte über Griechenland, der Türkei nach Bulgarien, Rumänien. Parallel dazu wurden die ersten größeren Pflanzungen auch in den südwestlichen, mediterran geprägten Europäischen Ländern realisiert. Paulownia-Pflanzungen in Portugal, Spanien, Italien sind hier in erster Linie zu nennen.

Zu den ersten Paulownia-Pflanzungen in Deutschland zählt dem Vernehmen nach eine Pflanzung am Bodensee in Baden Württemberg. Auch unsere erste Lieferung mit Blauglockenbäumen (Paulownia tomentosa) ging ins Schwäbische, bereits im Jahr 2009. Zu dieser Zeit interessierten sich noch kaum Kunden für den schnellwüchsigen Baum und erste Herausforderungen (vor allem Jugendfrost) tauchten auf. Erste bekannte Pflanzungen mit dem Kiribaum Österreichs findet man in den milden Klimaten des Burgendlands. Diese Anlagen bestehen heute noch und haben sich inzwischen zu ansprechenden Paulownia-Plantagen entwickelt.

Paulownia in Deutschland und Österreich – funktioniert das überhaupt?

Die eindeutige Antwort aus unserer Sicht darauf lautet JEIN! Man könnte auch sagen „kommt darauf an“. Damit sind wir auch schon bei den „Fakten und Mythen“ um die Paulownia/den Blauglockenbaum.
Dass Bäume, egal welcher Art, nicht in den Himmel wachsen, sollte ja allgemein bekannt sein. Komischerweise meinen manche „Experten“, dass das eigenartigerweise gerade für den Paulwonia-Baum nicht gilt…

Unglaubliche Fakten zum Paulownia-Blauglockenbaum

•    Paulownia wächst auch in mittleren Höhen (wir liegen auf knapp 600 Meter Seehöhe) wahnsinnig stark und vor allem so dick im Durchmesser, wie kaum ein anderer Baum
•    Paulownia bildet in der Jugendphase Blätter mit 50-70 cm Durchmesser
•    Ein zweijähriger Blauglockenbaum bildet in drei Monaten nach komplettem Rückschnitt des Stammes und der Wurzel bis zu ein Meter lange Wurzeln und einen bis zu drei Meter langen Stamm
•    Paulownia kann im Großtopf (50-80 cm Durchmesser) bereits nach drei Jahren Blüten ansetzen, ausgepflanzt etwa ab dem siebten Jahr. Vor allem wenn nicht so sehr auf die Stammbildung geachtet wird und der Baum sich früh verzweigen kann (im Wertholzbereich nicht erwünscht!)
•     Ein dreijähriger Paulownia-Wurzelstock kann nach komplettem Rückschnitt des oberirdischen Teils drei bis fünf Meter in nur einem Sommer austreiben und 6-10 cm Stammdurchmesser erreichen!
•    Paulownia-Jungpflanzen sind im Vergleich zu anderen Forst- und Plantatenbäumen relativ teuer und bedürfen besonderer Pflege, wenn damit Wertholz produziert werden soll.
•    Die Blauglockenbaum-Jungpflanze ist als Energieholz oder Kurzumtriebs-Holz tendenziell zu teuer und nicht konkurrenzfähig mit Pappeln, Weiden und Robinien, die sonst in Deutschland und Österreich zu diesem Zweck gepflanzt werden.

Unglaubliche Mythen zum Paulownia-Blauglockenbaum

•    Man pflanzt Paulownia-Jungpflanzen im Klein- oder Presstopf (6-10 cm Durchmesser) oder gar als Wurzelschnittling und kann nach drei Jahren  0,3 m³ Energie- oder Wertholz vom Blauglockenbaum pro Blauglockenbaum ernten.
•    Paulownia als Jungpflanze in den Wald oder auf das Feld gepflanzt benötigt kaum Pflege und wächst quasi von selbst bis zu 12 Meter auf. Vermutlich der größte Mythus zum Paulownia-Blauglockenbaum
•    Der Paulowniabaum friert nur in kühlen Lagen oder Höhenlagen zurück.
•    Kiribäume haben derzeit keine natürlichen Schädlinge und Krankheiten in Deutschland und Österreich
•    Nach nur wenigen Jahren Kulturzeit – die Angaben schwanken je nach (weniger seriöser) Quelle von 3 bis 10 Jahren – kann man hochwertiges und auch –preisiges Blauglockenbaum-Edelholz ernten und teuer verkaufen (man redet von 600 €/m³).
•    Diversen Kalkulationen zufolge wird man in der angeführten Zeit verhältnismäßig schnell reich.
•    Diese Liste ist sicherlich nicht vollständig und die Phantasie mancher „Experten“ ist hier scheinbar nicht enden wollend.

Fortsetzung folgt…

Reinhard Sperr, www.energiepflanzen.com im Mai 2017

:-)

Hier ein weiterer interessanter Artikel aus 2015 zum Thema Paulownia Blauglockenbaum von unserem Deutschen Mitarbeiter Max Voith

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