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Expertenforum Agroforstsysteme in Dornburg

Jun

23

2011

Im Rahmen der diesjährigen Festwoche anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Agrarforschungsstandorts Dornburg fand das 2. Forum Agroforstsysteme am 20. und 21.06. im Alten Schloss in Dornburg statt. In den altehrwürdigen Räumen des Schlosses, das Saaletal zu Füßen, trafen sich über 85 Gäste aus dem gesamten Bundesgebiet um sich über die gekoppelte Produktion von Energieholz und landwirtschaftlichen Produkten auszutauschen. Moderne Agroforstsysteme, die neben der Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte auch viele zusätzliche Leistungen in den Bereichen Erosionsschutz, Windschutz, Kohlenstoffspeicherung, Strukturvielfalt und Biodiversität erbringen, könnten ein Baustein in einer zukünftig stärker auf Nachhaltigkeit orientierten Landwirtschaft sein. Aktuelle Forschungsschwerpunkte liegen hier auf einem streifenweisen Anbau mehrjähriger schnellwachsender Bäume (Stichwort Kurzumtriebsplantage) und einjähriger Ackerkulturen.

Am ersten Veranstaltungstag stimmten der Präsident der TLL Peter Ritschel und Dr. Günter Breitbarth vom TMLFUN die Gäste im Konferenzsaal auf die Veranstaltung ein und betonten die über den Thüringer Versuchsstandort hinausgehende Bedeutung agroforstlicher Konzepte. Am Vormittag unterstrichen Referenten aus der Verwaltung und Forschung die potentiellen Vorteile solcher integrierter Produktionssysteme, zeigten aber auch die bestehenden rechtlichen Hemmnisse auf. Im zweiten Themenblock wurde das von FNR geförderte Projekt „AgroForstEnergie“ im Detail vorgestellt, und dabei neben den in Dornburg bearbeiteten Fragestellungen auch auf die bisherigen Ergebnisse der Verbundpartner aus Brandenburg, Hessen und Niedersachsen eingegangen. In der anschließenden Exkursion begeisterten sich trotz regnerischem Wetter viele Gäste für den nahe gelegenen
Agroforst-Praxisschlag zwischen Dornburg und Zimmern, auf dem die TLL auf 50 ha verschiedene Fragestellungen bearbeitet. Neben der Untersuchung unterschiedlicher Abstände zwischen den Gehölzstreifen (von 48 bis 144 m), ging Frau Bärwolff, die in Dornburg das Thema bearbeitet, auch auf Fragen unterschiedlicher Umtriebszeiten und ökologischer Wirkungen der Streifenanlage ein. Neben positiven Wirkungen auf die landwirtschaftlichen Kulturen durch verminderte Windgeschwindigkeiten werden vor allem Vorteile für Flora und Fauna erwartet, die durch die Strukturanreicherung bessere Lebensbedingungen vorfinden als in ausgeräumten Landschaften. Erste Untersuchungsergebnisse scheinen diese These für verschiedene Artengruppen zu bestätigen. Um für die gesamte Prozesskette interessierten Landwirten auch einen Weg zur optimierten Bereitstellung von lagerfähigen Hackschnitzeln geben zu können, stand als letzter Programmpunkt für diesen Tag der Trocknungsversuch für Hackschnitzel aus der diesjährigen Teilernte der ersten Gehölzstreifen auf dem Programm. In 4 Varianten wird die Entwicklung des Erntematerials beobachtet. Neben Abdeckvarianten für Hackschnitzel unter Dach, unter Vlies und in einer Dombelüftungsmiete, wird auch Stammholz gelagert, welches dann im Sommer separat gehackt wird. Interessant für die praktische Anwendung sind insbesondere zu erwartende Kosten der unterschiedlichen Methoden und die jeweiligen Verluste durch biologische Abbauprozesse.

Am zweiten Tag wurden dann weitere Aspekte von Agroforstsystemen mit Energieholz vorgestellt. So wurden ökologische Anbauvarianten, Gehölzstreifen für den Erosions- und Gewässerschutz und Möglichkeiten im Rahmen von Kompensationsmaßnahmen thematisiert. Aber auch historische Agroforstsysteme, die Produktion von Werthölzern oder die ästhetische Wirkung von Gehölzstreifen in
strukturarmen Agrarlandschaften stießen auf großes Interesse. In der abschließenden Podiumsdiskussion wurden dann noch einmal alle Facetten des Themas aufgegriffen und vor allem strittige Punkte diskutiert. Da Agroforstsysteme als integrierte Anbauverfahren mit multifunktionalem Charakter viele fachliche Bereiche einschließen, gingen die Meinungen in einzelnen Fragen dann auch weit auseinander.
Der Naturschutz will vor allem die Biodiversität berücksichtig wissen, Forstwirte möchten gerne den Nutzungsdruck vom Wald nehmen, Landwirte suchen eine ökonomisch tragfähige Alternative zu Marktfrüchten und die Verwaltung aus den verschiedenen Ressorts muss die bestehenden rechtlichen Regelungen auf diesen noch jungen Produktionszweig interpretieren und anwenden.

Im Resultat konnte man sich auf den Konsens verständigen, dass Agroforstsysteme zukünftig eine größere Rolle bei der integrierten Biomasseproduktion spielen müssen, wenn die projizierten Ausbauziele für Erneuerbare Energien und Nachwachsende Rohstoffe in Deutschland umgesetzt werden sollen. Einigkeit besteht auch über die Notwendigkeit die bisherigen rechtlichen Regelungen dahingehend zu überarbeiten, das im Umgang mit integrierten Systemen aus Land- und Forstwirtschaft sektorübergreifende Regelungen geschaffen werden müssen, um die Etablierung von Gehölzstreifen in der Praxis zu vereinfachen. Neben der Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen muss aber auch noch in erheblichem Umfang Forschungs- und Überzeugungsarbeit geleistet werden, damit die versuchstechnischen Ansätze erfolgreich in die Praxis transferiert werden. Bisher spielen solche Systeme in Deutschland nur eine untergeordnete Rolle, da seit den 50ger Jahren des 19ten Jahrhunderts Acker- und Waldbau zunehmend separiert wurden.
Zukünftig wird es also darauf ankommen die vorhanden Synergieeffekte zu stärken um die ökologischen Vorzüge mit soliden ökonomischen Vorteilen zu verbinden.

Die Vorträge werden zeitnah bereitgestellt!

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