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"Die Akzeptanz vor Ort ist ein ganz wichtiger Baustein zum Erfolg" Interview Markus Brogsitter , CEO WSB Projekt GmbH (Teil 2)

Feb

16

2016

Wer sind Ihre Käufer ?

Wir bedienen eine große Bandbreite von Investoren, die momentan am Markt unterwegs sind. Wir machen darum öffentlich kein großes Aufheben und behandeln die Information vertraulich.

Welche Interessen verfolgt Hessenforst?

Hessenforst will im Landesauftrag den Ausbau der erneuerbaren Energien unterstützen und dafür auch geeignete Flächen zur Verfügung stellen. Die Flächen stehen natürlich nicht kostenfrei zur Verfügung, sondern werden zu Marktbedingungen verpachtet. Hessenforst als Landesgesellschaft hat zudem ein Gewinninteresse und führt diese Gewinne an das Land ab.

Auch bei einer Gemeinde ist es am Ende so, dass sie Flächen zur Verfügung stellt und dafür Pacht erhält.

Im Antrifttal in Hessen haben Sie gerade den Vertrag über die Erweiterung eines Windparks im Hessenforst geschlossen und die Gemeinde hat die Windeignungsfläche verdoppelt: Von 2 auf 4 Prozent der Gemeindefläche. Warum ist die Gemeine so erpicht auf die Windkraft?

Auch bei einer Gemeinde ist es am Ende so, dass sie Flächen zur Verfügung stellt und dafür Pacht erhält.

Laut Lokalpresse geht es um fünf neue Anlagen und um 10.000 Euro Pacht im Monat. Der Bürgermeister sagt, sein Ort erhält 1,2 Millionen Euro über 20 Jahre, stimmt´s?

Auch wenn das in der Presse kursiert, werde ich es nicht kommentieren. Wir halten uns hier an die Verschwiegenheit, die wir zugesichert haben.

Haben die Kommunen es inzwischen gelernt, besser von der Windkraft zu profitieren?

Das gab es schon immer. Aber mit dem Ausbau der Erneuerbaren sind sie vielleicht stärker auf das Thema aufmerksam geworden, zumal viele Kommunen mit ihren heutigen Einnahmen ihre Aufgaben nicht ausreichend erfüllen können. Dann steht der Bürgermeister vor der Aufgabe, sich Gedanken zu machen, was er für Möglichkeiten hat. Und wenn es dann gemeindeeigene Flächen mit Potenzial für Windkraft gibt, verpachten die Gemeinden inzwischen gerne.

Und für Sie ist es optimal, weil Sie dann einen starken politischen Partner vor Ort haben?

Ja, die Akzeptanz der Gemeinde vor Ort ist ein ganz, ganz wichtiger Baustein für den Erfolg eines Windparks.

Sie haben nach Aussage der Lokalpresse im Antrifttal auch einen Konkurrenten hinter sich gelassen. Erklären Sie mir doch mal wie dieses Planungsgeschäft läuft, wenn es darum geht, dass Kommunen sich für einen Partner entscheiden? Eher auf Vertrauen, langem Kennen oder darauf, die Konkurrenz knallhart preislich zu unterlaufen?

Das ist wie in jedem Geschäft eine Mischung aus beidem. Als Geschäftsmann kann immer nur der erfolgreich sein, der das Vertrauen seines Kunden gewinnen kann und dieses Vertrauen auch langfristig hält. Und der natürlich auch kalkulieren kann.

Laut Geschäftsbericht eines anderen Planers hat man in Ihrem Geschäft unterm Strich eine Gewinnmarge am Umsatz von 5 Prozent. Ein einzelner erfolgreich verkaufter Windpark muss aber 10 Prozent einbringen, damit er die Akquisen und nicht erfolgreichen Projekte ausgleicht. Pi mal Daumen, ist das bei Ihnen auch so?

Auch dort von mir die Antwort: Es gehört bei uns zur Unternehmensphilosophie, dass wir über solche Zahlen im Detail nicht sprechen.

Wo liegt denn die Realisierungsquote bei Ihnen?

Wenn wir erstmal ein Projekt in das Genehmigungsverfahren gebracht haben, habe ich es in meinen sechs Jahren bei WSB erst einmal erlebt, dass wir ein Projekt noch aufgeben mussten.

Vor ein, zwei Jahren wurden Projekte im Wald in der Öffentlichkeit noch stark in Frage gestellt. Ist der Protest gegen Windparks im Wald schon ein wenig abgeebbt?

Das Thema Wind im Wald hat sich sicherlich objektiviert. Oft sind Menschen erstmal gegen das Neue. Es  braucht immer eine gewisse Zeit, bis die Dinge ihre Akzeptanz finden.

Welchen Einfluss haben Sie darauf mit eigener Öffentlichkeitsarbeit?

Einen sehr großen. Wir versuchen die Anwohner immer so umfassend wie möglich über unsere Projekte zu informieren. Wir nehmen mit den Gemeinden Kontakt auf, um sie frühestmöglich ins Boot zu holen. Zusätzlich gibt es Einwohnerversammlungen und Bürgersprechstunden, bei denen die Menschen 1:1 Fragen stellen können. Das machen wir sehr projektspezifisch, ohne Blaupause.

Es  braucht immer eine gewisse Zeit, bis die Dinge ihre Akzeptanz finden.

Und das bringt tatsächlich etwas? Wenn es eine Bürgerinitiative gibt, die den Windpark nicht will?

Wenn Sie eine Bürgerinitiative gegen den Windpark haben, müssen sie sich objektiv mit ihren Argumenten auseinandersetzen. Auf beiden Seiten besteht die Aufgabe, die eigene Position zu vertreten, ohne unsachlich zu werden oder die anderen anzugreifen. Und sie müssen vor Ort Partnerschaften mit denjenigen eingehen, die den Argumenten folgen und die in den erneuerbaren Energien einen Mehrwert sehen.

In Alsfeld haben Sie, wenn auch am Rande, an einem Mediationsverfahren teilgenommen.

Das ist mir präsent und zu dem Mediationsverfahren gibt es eine Verschwiegenheitsvereinbarung. 

Aber wie beurteilen Sie Mediationsverfahren denn als Instrument? Das ist ja durchaus aufwändig.

Ja, es ist aufwändig. Es ist aber durchaus eine Form der Gesprächs- und Verhandlungskultur, der ich offen gegenüberstehe. Denn es bietet die Möglichkeit, sich mit den Anliegen des anderen auseinanderzusetzen und zu sehen, was seine Bedürfnisse sind. Und dann eine Lösung auf dem größtmöglichen gemeinsamen Nenner zu finden. In Alsfeld ist das auch gelungen.

Wann ist eine Mediation angemessen?

Gute Frage. Sie ist sicherlich nicht das Allheilmittel für jedes Thema. Sie ist dann angemessen, wenn die Zahl der Beteiligten eine Handvoll überschreitet und auch dann, wenn die Themenvielfalt und die Themenschwere so groß sind, dass man sie im normalen Verhandlungsprozess nicht mehr bearbeitet bekommt. Oder, wenn man in normalen Verhandlungsprozessen zu keinem einvernehmlichen Ergebnis gekommen ist.

Wenn Sie eine Bürgerinitiative gegen den Windpark haben, müssen sie sich objektiv mit ihren Argumenten auseinandersetzen.

Machen wir es konkret: Was hat Alsfeld unterschieden von einem Projekt, wo es vielleicht auch eine Bürgerinitiative gab, wo sie aber ansonsten mit Bürgerinformationen Ihr Projekt doch umsetzen konnten?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir in die Gründe der Mediation und die Ergebnisse der Mediation einsteigen und wie gesagt: Dazu gibt es eine Vertraulichkeitsvereinbarung, an die mich an der Stelle sehr strikt halten möchte.

Thema Ausschreibungen. Was ändert sich für eine Kommune, wenn ab 2017 über den Bau von Windparks in Ausschreibungen entschieden wird?

Für Kommunen weniger als für uns Projektentwickler. Kommunen werden fragen müssen, an welchen Standorten ein Projekt noch wirtschaftlich ist. Und wie viel Pacht ein Windpark noch zahlen kann. Ich glaube, die Kommunen selbst werden vom Thema Ausschreibungen am Ende nur mittelbar betroffen sein.

Was wird sich durch die Ausschreibung für Sie als mittelständisches Planungsunternehmen ändern?

Es sind zunächst mal Formsachen: Wir müssen Fristen einhalten, zu denen wir Gebote einreichen. Wir müssen Formvorschriften beachten, einen Höchstpreis, und wir müssen natürlich mit unserem Gebot andere Wettbewerber „ausstechen“, damit wir bezuschlagt werden. Das ist anspruchsvoller als heute, wo die Vergütung inklusive Degression per Gesetz festgeschrieben ist.

Wie wollen Sie denn Ihre Preise kalkulieren? Um Konkurrenten gezielt zu unterbieten muss man abschätzen können, mit welchen Preisen die anderen Projektplaner in die Auktionsrunde gehen.

Welchen Preis man da angibt – zwischen den Grenzkosten und dem Höchstpreis - ist eine unternehmerische Entscheidung, die u.a. von der Marktkenntnis und der Wettbewerbsbeobachtung abhängt.

Klar, aber wie machen Sie Wettbewerbsbeobachtung? Wenn man das auf die Spitze treibt, müssten man genau zeigen: Welche Projekte gibt es? Und die kalkuliert man durch um zu schätzen, zu welchen Kosten bei den gegebenen Windverhältnissen die Konkurrenten den Strom anbieten können. Wird das die Logik sein?

Das könnte eine Logik sein.

Das ist aber aufwändig.

Wenn man sich der Mathematik ganz stark zugetragen fühlt und in das Thema der Wahrscheinlichkeitsrechnung hineingehen will, würde man genau den Prozess durchlaufen, den Sie gerade beschreiben. Bei der Bundesnetzagentur können Sie sich ja ein gutes Bild machen, was gerade am Markt passiert.

Das klingt nicht, als wären Sie davon begeistert.

Schauen Sie doch mal in sich hinein und überlegen, wie Sie Ihren eigenen Preis ermitteln würden. Ist das so mathematisch rational? Oder gibt es noch andere Parameter? Sie haben immer nur eine Gebotschance. Und die Preise der anderen sind nicht transparent. Sie wissen, das ist das Ausschreibungsvolumen und das sind die Grenzkosten meines Projektes. Und Sie kennen die Wettbewerbspreise der letzten Auktion. Man könnte also einen Preis dazwischen bieten. Bei der Photovoltaik-Ausschreibung sieht man ein paar Tendenzen, wie das Ganze funktioniert. Und da wird man sich für die Gesamtentscheidung sicherlich nicht nur auf das mathematische Modell konzentrieren.

Was genau heißt das?

Ich muss ehrlich gestehen, dass die erste Gebotsrunde noch über ein Jahr entfernt ist. Und bis dahin müssen wir auch für uns noch die Gesamtheit der Kriterien herausarbeiten, wie wir am Ende zur Gebotspreisfindung kommen.

Bei PV sind die Preise, mit denen gewonnen wurde, drastisch gesunken auf 8 Cent. Das hätte wohl niemand gedacht. Erwarten Sie bei der Windenergie einen ähnlichen Vergütungsrückgang?

Ich bin seit 2011 bei WSB und habe als eines der ersten Projekte einen Photovoltaikpark begleitet. Damals hatten wir 21,22 Cent Einspeisevergütung und die Modulpreise lagen bei 1,20 bis 1,30 Euro pro Watt Peak. Nach mehreren Verhandlungsrunden waren wir dann bei knapp über 1 Euro. In der PV hat eine starke Preisdegression der Hardware stattgefunden. Beim Windpark macht die Anlage 80 Prozent der Investitionskosten aus. Das ist der Punkt, der die Preisdegression ganz wesentlich beeinflussen kann.

Unterm Strich, Sie erwarten keine deutlichen Rückgänge gegenüber der heutigen EEG-Vergütung?

Ich kann es nicht prognostizieren, muss ich ehrlich gestehen. 2013 haben wir noch Windparks mit 9,27 Cent Einspeisevergütung in Betrieb nehmen können. Wenn wir bis Ende 2017 alle Degressionsstufen durchrechnen, dann sind wir bei knapp 8 Cent. Das ist schon eine wesentliche Preisdegression. Ich kann keine Prognose abgeben, ob es noch weiter runtergeht.

Wir haben für die Windindustrie-in-Deutschland.de eine Innovationsumfrage gemacht. Und zu unserer Überraschung haben vor allem die Geschäftsführer gesagt, dass Sektorenkopplung, also Power-to-Gas und verschaltete Kraftwerke das Thema der Stunde sind. Ist das auch ein Wachstumsmarkt für WSB?

Ich sehe es durchaus als potenziellen Wachstumsmarkt für die gesamte Branche. Es gibt ganz viele verschiedene Spielwiesen, auf denen man sich als Projektierer am Ende auch betätigen kann. Ob es nun Power-to-Gas, Power-to-Liquid ist, ob es Batteriespeicher sind oder ob man sich damit befasst, mehrere Energieerzeugungsanlagen in der näheren Umgebung miteinander zu kombinieren. Wir haben einen eigenen Produktentwicklungsbereich, der sich mit diesen Dingen auseinandersetzt und die Felder bearbeitet, in denen wir Wachstumschancen sehen. Hier wird von WSB mit Sicherheit in Zukunft etwas kommen.

Was genau?

Das erfahren Sie von mir, wenn die Eier gelegt und ausgebrütet sind (lacht).

Letzte Frage: Wo sehen Sie die WSB Projekt GmbH in fünf Jahren?

Nach wie vor auf der Liste der wichtigen deutschen Projektentwickler im Bereich Wind Onshore.  

>> Zu Teil 1 des Interviews

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